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von Markus Heil

„Jede Pfarrei soll eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen“, hat Papst Franziskus uns letzte Woche aufgetragen und zugemutet. (http://www.kath.ch/newsd/papst-jede-pfarrei-europas-soll-fluechtlingsfamilie-aufnehmen/) Er hat damit die verschiedenen Töne der letzten Monate verstärkt, in denen die Kirche oder die Politik um die Rolle der Kirche in der Lösung dieser Frage gerungen haben.

Die Emotionen der Bilder der Menschen auf der Flucht lösen Hilfsbereitschaft und Ohnmacht aus: „Wir wollen helfen aber wie?“

So sind auf den päpstlichen Aufruf hin gleich einige Journalisten losgezogen und haben dokumentiert, was Kirche schon alles leistet. Wo eine Landeskirche eine leere Wohnung zur Verfügung stellt und dass Bischof Felix Gmür in den Räumen in Solothurn mehrere Flüchtlingsfamilien beherbergen will. Das sind wichtige erste Akzente.

Doch irritiert mich die Wahrnehmung, damit sei das Wesentliche und das Mögliche getan. Als ob die kirchlichen Institutionen nur ihren eigenen Immobilienbesitz zur Lösung dieser Aufgabe im Blick haben. Sollte das der Fall sein, dann hätten wir es hier mit einem sehr verkürzten Blick auf Kirche zu tun. Kirche wäre dann in erster Linie eine besitzende Institution und keine handelnde Gemeinschaft von Menschen.

Der Wiener Erzbischof hat die Aufforderung von Papst Franziskus weiter pointiert in dem er sagte: „Ausnahmslos alle Pfarrei, sich für Flüchtlinge engagieren müssen.“ (http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/4816467/Fluchtlinge_Kardinal-Schonborn-macht-Druck-auf-Pfarrer) Mit dieser Sichtweise geht es dann nicht mehr darum, ob 10% Prozent der Pfarreien in der Lage sind, etwas zu tun, und auch nicht ob 60 % Hilfe leisten sondern es geht um die letzten 10% der Pfarreien, dass diese auch ihre Gastfreundschaft entfalten. Eine spannende Herausforderung!

Für manche Pfarrei, die derzeit um ihren Fortbestand bangt, mag dies ein Anstoss sein. Können wir vielleicht nur Pfarrei bleiben, wenn wir solche Aufforderungen noch mit Taten beantworten können? Können wir eine solche Anfrage überhaupt noch hören, oder sind wir in unserer kleinen Welt schon ganz und gar beschäftigt?

Viele Menschen sind in ihrem Herzen sehr gastfreundlich. Die Freude an den Bildern aus den Bahnhöfen von Wien oder München zeigt uns das. Vielleicht würden auch wir hingehen und mithelfen, wenn das näher wäre. Bei uns an die Bahnhöfe zu gehen, und zu schauen, ob da Flüchtlinge gestrandet sind, fällt uns deutlich schwerer. Wo also ansetzen? Wie unsere verborgene Gastfreundschaft zum Leuchten bringen?

Es wird wohl nicht gehen, wenn man es alleine schaffen will, denn es braucht die Gemeinschaft!

Es wird wohl leichter, wenn wir von den Erfahrungen der anderen Pfarreien lernen.

Die Herausforderung der Flüchtlinge wird wohl auch in Zukunft gross bleiben.

Wann fangen wir an?

JETZT !

Ihr Markus Heil