340 Unterschriften der Seelsorger und Seelsorgerinnen und über 180 Sympathisanten. Die Resonanz auf die Pfarrei-Initiative und die Anzahl der Unterschriften hat uns sehr positiv überrascht. Sie zeigt, dass diese Fragen der Kirche auch breite Teile der Bevölkerung bewegen. Die Pfarrei-Initiative benennt etwas, das schon lange in der Luft liegt. Der Text hätte auch als etwas Schon-Dagewesenes abgetan werden können. Das Echo zeigt aber, unter welcher Spannung die katholische Kirche derzeit steht. Dass diese Spannung gerade den Seelsorgenden unter den Nägeln brennt, wird jetzt offensichtlich. (Leider ist dies bei vielen Seelsorgenden auch mit Angst verbunden)

In diesem Zusammenhang bedanken wir uns bei der Presse für die fast ausschliesslich sehr faire bis exzellente Berichterstattung zur Lancierung der Initiative, in denen die Anliegen teilweise sogar noch besser auf den Punkt gebracht wurden.

Die Pfarrei-Initiative will ein Aufruf zu Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit sein. Wer sie als „Aufruf zum Ungehorsam“ interpretiert, hat uns missverstanden. In diesem Zusammenhang halten wir die (oft auch in den Leserbriefen) geäusserten Vorstellungen von Gehorsam für bedenklich. Sie fordern auf, die Erkenntnisse der Moraltheologie zum Gewissen wieder ins Gedächtnis zu rufen.
In den letzten Septembertagen haben wir die Feste der Schweizer Kirchengründer Mauritius, Urs und Viktor gefeiert. Zumindest sollten wir in der Diskussion um Gehorsam nicht hinter das Gehorsams¬verständnis vom hl. Mauritius zurückgehen: „Kaiser, wohl sind wir deine Soldaten; nichtsdestoweniger – wir bekennen es offen – stehen wir im Dienste Gottes. Dir gehört unsere Tapferkeit im Krieg, Ihm unser schuldloses Leben.“ Es wird offensichtlich, dass wir als Kirche auch einen Dialog zum Gehorsam gegenüber Gewissen nötig haben.

Es freut uns, dass unsere Bischöfe uns einladen und wir sie im Lauf des Novembers treffen werden. Dass die Bischöfe in ihrer Erklärung diesen Weg allerdings als nicht verantwortungsvoll bezeichnen, irritiert uns, ist er doch manchenorts schon über 20 Jahre gängige Praxis. Die Kerngruppe wird sich in Zukunft nicht mehr als Initianten des Textes sondern als Sprecher der über 300 Seelsorgenden verstehen. In den nun folgenden Gesprächen untereinander und mit den Bischöfen wollen wir daher weniger über den Text als über die pastorale Realität und die damit verbundenen Freuden und Ängste reden. Wir hoffen daher, dass ganz verschiedene Unterzeichner und Unterzeichnerinnen in den Interviews der Medien zu Wort kommen.

Wenn das 2. Vatikanische Konzil davon spricht „Freude und Hoffnungen, Sorgen und Angst der Menschen von heute sind Freude und Hoffnungen, Sorgen und Angst der Jünger Christi“, dann sind wir froh, mit unserer Initiative einen Teil dieser Hoffnung und dieser Angst benannt und bearbeitet zu haben.