„Jetzt ist es wichtig, die erfreulich positiven Ergebnisse des Abschlussdokumentes und auch der Schlussansprache von Papst Franziskus in die kirchliche Seelsorge aufzunehmen und in das konkrete Leben der Menschen zu übersetzen.“ Dies erklärte Prof. Eva-Maria Faber, Chur, in ihrem Impulsreferat an der Herbstversammlung der Pfarrei-Initiative am 30. Oktober in Zürich. Die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Herbstversammlung setzten sich engagiert mit den Ergebnissen der Bischofssynode zu Ehe und Familie auseinander.

Grundsätzlich positiv wurde allein schon die Tatsache des synodalen Prozesses bewertet, in welchem zuerst alle Katholiken befragt wurden und dann die Bischöfe nun diese verschiedenen Formen von menschlichen Partnerschaften würdigen, insbesondere von Ehe und Familie. Geschiedene und Wiederverheiratete werden nicht mehr a priori verurteilt; die Bischöfe verzichten auf abstrafende und ausschliessende Begriffe. Vielmehr fragen sie, wie der bisherige Ausschluss auf verschiedenen Ebenen überwunden werden kann. Dazu gehört neben dem Kommunionempfang auch die Erwachsenentaufe und verschiedenen hauptamtlichen kirchlichen Dienste. Das Überwinden des Ausschlusses geht also viel weiter als das von uns geforderte, wenn auch im ersten weniger konkret fassbar.

Früher wurde von „irregulären“ Verbindungen gesprochen, welche nicht den kirchlichen Normen entsprechen, jetzt spricht die Synode von „komplexen Situationen“, bei denen die konkreten Umstände berücksichtigt werden müssen. Mit der Aufforderung, jedes einzelne Schicksal wahrzunehmen und genau hinzuhören, öffnen die Bischöfe die Türe und würdigen ausdrücklich den Beitrag der Wiederverheirateten wenn sie von den Gaben und Charismen des Heiligen Geistes sprechen, die sich auch in solchen Partnerschaften entfalten.

Früher wurden gerade auch bei uns in der Schweiz viele Anregungen blockiert mit dem Hinweis auf die Befindlichkeit der Weltkirche. Heute fordern Papst Franziskus und die Synodenväter ortskirchliche Orientierungspunkte und regionale Richtlinien im Umgang mit „komplexen“ Situationen. Es wird eine längst fällige Dezentralisierung der Kirche gefordert, welche die Unterschiede in den regionalen Kulturen der Ortskirchen berücksichtigen. Was zum Beispiel bei den Bischöfen eines Kontinentes als normal gilt, wird bei Bischöfen eines andern Kontinentes noch als Skandal betrachtet, so Papst Franziskus in seinem Schlusswort. Deshalb soll eine dezentralisierte Inkulturation die Ortskirchen ermächtigen, eigene weiterführende Entscheidungen zu treffen, damit auch andere zu offeneren Lösungen ermutigt werden.

Die Bischofssynode hat keine neuen Vorschriften erlassen, sondern sie hat einen Abschlussbericht mit Empfehlungen an Papst Franziskus verabschiedet. Und sie hat das öffentlich getan, sie hat den Bericht mit allen Abstimmungsergebnissen offen gelegt. Damit leisten dieses Dokument und der gesamte synodale Prozess einen wichtigen Beitrag, um die weit verbreitete Resignation bei den Menschen und auch bei vielen Seelsorgern zu überwinden. Das Vertrauen, dass dieser neue Weg auch wirklich konsequent gegangen wird, ist ebenfalls erst eine zarte Pflanze. Erste zaghafte Schritte zeigen, dass sich doch etwas bewegen lässt; für die Pfarrei-Initiative ist diese Bischofssynode ein hoffnungsvoller Anfang eines langen Weges, die verschiedenen Formen des Ausschlusses auf den verschiedenen Ebenen zu überwinden.