Am Montag, den 26. November 2012, kam es in Zürich zu einem Gespräch auf höchster Ebene zwischen der Sprechergruppe der Pfarrei-Initiative und den davon betroffenen Bischöfen. Daran teilgenommen haben die Bischöfe Markus Büchel von St. Gallen, Felix Gmür von Basel und Vitus Huonder von Chur sowie Pfarreileiterin Monika Schmid, Pfarrer Stephan Guggenbühl und die Gemeindeleiter und Diakone Hans-Peter Vonarburg und Markus Heil. Das Gespräch verlief in kollegialer Atmosphäre. Die unterschiedlichen Positionen wurden vertieft und mit viel Verständnis für die Schwierigkeiten des Gegenübers ausgetauscht. Doch eine inhaltliche Annäherung kam nicht zustande.

Von Seiten der Bischöfe wurden hauptsächlich drei Argumente vorgebracht. Zum Ersten zeigten sie sich irritiert, weil nach ihrer Ansicht die Initiative überflüssig ist. Sie wüssten sehr wohl, wo den Seelsorgenden der Schuh drücke. Daran zweifelt die Sprechergruppe nicht. Umso schwerer wiege jedoch die Tatsache, dass viele Angst hätten, öffentlich zu jener Praxis zu stehen, die im Text der Pfarrei-Initiative offengelegt wird. Darum wolle die Pfarrei-Initiative durch einen Zusammenschluss mehr Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit erreichen.

Zum Zweiten nahmen die Bischöfe daran Anstoss, dass die Pfarrei-Initiative in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecke, sie wolle Ausnahmen zur Regel machen und rechtfertige dies theologisch mit schwachen und wenig schlüssigen Argumenten. Dagegen betonten die Vertreterinnen und Vertreter der Pfarrei-Initiative, dass es in Theologie und Praxis vielfältige Strömungen und gegenläufige Einstellungen gebe. Die Pfarrei-Initiative anerkenne diese Vielfalt als Reichtum. Dazu gehöre auch der Respekt vor jenen, die in ihrer Pfarrei nicht in der von der Initiative beschriebenen Weise wirken. Wichtig sei ihnen aber, dass sie deswegen nicht als „eine andere Kirche“ bezeichnet würden. Im Übrigen sei die Situation der Kirche tatsächlich so kritisch geworden, dass man gar nicht mehr umhin könne, die Ausnahme zur Regel zu machen.

Eine intensive Auseinandersetzung gab es drittens über die Frage, welche Pfarreien es in Zukunft geben soll. Die Pfarrei-Initiative votiert in den Thesen 9 und 10 für überschaubare Pfarreien. Zusammenschlüsse könnten nur eine subsidiäre Funktion haben. Darum müsse jede Pfarrei vor Ort den Sonntag als Tag des Herrn feiern können und in einer Gemeindeleiterin oder einem Gemeindeleiter eine feste Bezugsperson haben. Weil die Bischöfe Klärungen verlangten, erklärten sich die Pfarrei-Initianten bereit, ihre Aussagen in Zukunft weiter zu präzisieren.

Ein grundsätzliches Dilemma sei aber unübersehbar: Einerseits leisten sie ihre Arbeit in den Pfarreien mit Freude und grossem Engagement. Andererseits löst das Auseinanderklaffen der Ansprüche der Kirchenleitung und der Pfarreirealität oft unerträgliche Spannungen aus. Erst recht verursachen lehramtliche Äusserungen bei der Kirchenbasis häufig grosse Irritationen. Darum empfinden viele Seelsorgerinnen und Seelsorger die durch die Pfarrei-Initiative erreichte Solidarität als Erleichterung. Und immerhin 449 Seelsorgerinnen und Seelsorger haben mit ihrer Unterschrift die Dringlichkeit der Pfarrei-Initiative beglaubigt.

Schliesslich unterhielt man sich auch über mögliche Sanktionen, die bei Einzelnen erhebliche Sorgen auslösen. Diese Frage konnte jedoch nicht abschliessend beantwortet werden. Die Bischöfe werden die aufgeworfenen Fragen der Pfarrei-Initiative in der Bischofskonferenz diskutieren und einzelne Themen eventuell in ihren Kommissionen weiterbesprechen.

Ziele der Pfarrei-Initiative
Nach diesem ersten Dialog möchte die Pfarrei-Initiative ihre drei Ziele, deutlich kommunizieren die für sie unverzichtbar sind:
Erstens will sie die Solidarität unter Seelsorgenden stärken. Sie will gemeinsam Ängste überwinden und zu mehr Wahrhaftigkeit beitragen. Die Pfarrei-Initiative ist auch ein Ort, wo Seelsorgende z.B. über liturgische Vollzüge, die in der Initiative angesprochen werden, gemeinsam reflektieren.
Zweitens will die Pfarrei-Initiative, dass die Kirche wieder für das Kirchvolk fassbar ist. Die Einladung zur Teilnahme an der Kirche ergeht an alle Menschen, wenngleich das Wirken Gottes in den Sakramenten mit einer schrittweisen Veränderung des Lebens verbunden ist.
Schliesslich will die Pfarrei-Initiative drittens diese Anliegen vernetzt im deutschsprachigen Raum und international angehen, um in der Entwicklung der angesprochenen Themen einen Schritt weiter zu kommen.

Sursee, 27. November 2012
Markus Heil und Hans-Peter Vonarburg